Projektvorstellung Solar Decathlon: RoofKIT Universität Karlsruhe

Autor: Miriam Driesch veröffentlicht am 28.04.2022
Das Team RoofKIT besteht aus Architekt*innen, Ingenieur*innen und Ökonom*innen unterschiedlicher Fachbereiche des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Unterstützt wird das Team durch die Leitung von Prof. Dirk E. Hebel und Prof. Andreas Wagner von der Fakultät für Architektur. Zudem gibt es zahlreiche externe Unterstützer*innen - Expert*innen und Organisationen aus Baden-Württemberg, wie das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, die Holzbau-Offensive BW, die Volkswohnungs GmbH sowie Architektur- und Ingenieurbüros und Baustoffhersteller*innen wie CLAYTEC. Wie der Name der Projektgruppe bereits verrät beschäftigt sich das Team, im Rahmen des Innovationswettbewerbs, mit der Bauaufgabe der Sanierung und Aufstockung.

 

Das Café Ada in Wuppertal dient als Basis für alle Projektteams die sich der Bauaufgabe Sanierung und Aufstockung widmen. Am Beispiel des Cafés zeigt das Team RoofKIT, wie bisher ungenutzte Flächenressourcen in der Stadt sinnvoll genutzt werden können; in diesem Fall sind es die Dachflächen. Das zweistöckige Café Ada wird mit drei weiteren Geschossen ergänzt. Das Bestandsgebäude wird saniert und energetisch optimiert. Der im ersten Obergeschoss befindliche Tanzsaal wird um eine Etage nach oben verschoben. An der ursprünglichen Stelle wird ein Hotel platziert, um Fernreisenden und Gästen Raum zu bieten. Den Übergang zwischen Bestand und Neubau bildet die sogenannte „Urban Gap“, einem multifunktional, öffentlich nutzbarem Tanzsaal, anschließend folgen zwei Wohngeschosse in modularer Leichtbauweise.

Das Projekt basiert dabei auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit, eine vierte wurde von RoofKIT neu definiert: Ökologie, Ökonomie, Soziales und Ästhetik. Die erste Säule bezieht sich dabei auf den Punkt „Ökologie“. Vor dem Hintergrund des Ressourcenschutzes wird das Gebäude zu 100% mit regenerativen Energien betrieben. Hauptsächlich wird die Energie über das einzig offene System der Erde gewonnen, der Sonne. Zusätzlich werden organische Abfälle und Abwässer zur Energie- und Wärmeerzeugung genutzt. Im neu gestalteten Freiraum hinter dem Gebäude wird ein entworfener Solarbaum platziert, der nicht nur nutzbare Energie generieren kann, sondern auch als Verschattung im öffentlichen Raum dient. Im Hinblick auf die Ressourcenknappheit der Erde bildet einen weiteren Schwerpunkt der Einsatz von Sekundärrohstoffen („Urban Mining Materialien“). Das Prinzip „Urban Mining“ bedeutet, dass Rohstoffe, die sich bereits in unserer Umwelt, in Städten oder alltäglichen Produkten befinden, im Wertstoffkreislauf gehalten werden sollen. Die sortenrein trennbare Verbindung dieser Materialien untereinander dient um eine notwendige Kreislaufwirtschaft in der Baubranche voranzutreiben. Des Weiteren wird die Schadstofffreiheit der Materialien untersucht und sichergestellt. Es werden ausschließlich nachhaltige Materialien eingesetzt, wie zum Beispiel die ökologischen Lehmbaustoffe von CLAYTEC.

 

Die zweite Säule bildet das Thema der „Ökonomie“. Im Rahmen des Bauprozesses wird mit vorgefertigten Holzmodulen gearbeitet, wodurch Kosten reduziert, Baustellenzeiten verkürzt und Nutzerausfälle im Bestand verringert werden. Das Thema Flexibilität spielt eine große Rolle, dabei hilft das sogenannte „Sharing-Economy-Konzept“. Dieses Konzept ermöglicht eine maximale Raumnutzung. Großzügige Gemeinschaftsbereiche und individuell anpassbare private Wohnraummodule, je nach Nutzerbedarf, sorgen für eine Langlebigkeit der Raumnutzungen. Im Zusammenhang mit dem Bauen in bestehendem Kontext, also einer bereits gebauten und bewohnten Stadt wurden Finanzierungskonzepte entwickelt, um die Vielfalt und Durchmischung des Quartiers Mirke zu behalten, Nachbarschaft zu fördern und Gentrifizierung und Segregationserscheinungen entgegenzuwirken. Das Gebäude selbst wird durch die Sicherstellung der Kreislaufwirtschaft, durch 100% Rückbaubarkeit, zur zukünftigen Wertanlage und skaliert zum Rohstofflager der zukünftigen Stadt.

Die dritte Säule bezieht dich auf die „Soziale“ Komponente des Projektes. Hier ist absolute soziale Gerechtigkeit das Stichwort. Beispielsweise wird den Bewohner*innen ein barrierefreies Wohnen ermöglicht. Durch die Flexibilität können außerdem die einzelnen Wohnräume an die Bedürfnisse der jeweiligen Bewohner*innen angepasst werden. Menschen unterschiedlichen Alters und Einkommens sollen sich in den Räumlichkeiten willkommen fühlen. Die Gemeinschaftsräume sollen das Zusammengehörigkeitsgefühl zusätzlich stärken. Nachbarschaft im größeren Kontext fördert RoofKIT, in dem beispielsweise in der Urban Gap, aber auch dem neu gestalteten Freiraum hinter dem Haus, Raum für Alle angeboten wird. Das Finanzierungskonzept stellt sicher, dass ansässige, einkommensschwächere Bewohner*innen nicht verdrängt werden. Solare Überschüsse versorgen die Nachbarschaften mit und bedienen das ÖPNV-Netz.

Die letzte Säule beschäftigt sich mit der „Ästhetik“ des Gebäudes. Das Café Ada, welches die Basis für die Aufstockung, bildet, ist vor allem als Treffpunkt für Tangotanz bekannt. Dieses besondere Merkmal wird durch die ästhetische Komponente noch einmal unterstrichen. Der Tanzsaal befindet sich als „urbane Fuge“ zwischen Bestand und Neubau. Durch transparente Glaselemente, große Raumhöhen und eine umlaufende Freiterrasse soll der multifunktionale Tanzsaal einsehbar werden und eine Strahlkraft ins Quartier generieren. Die Fassade des Bestandes wird energetisch ertüchtigt und erhält im Respekt an die Geschichte und den Detailreichtum des Bestandsgebäudes eine zweite Hülle aus Bauschutt-Ziegeln, sowie vorgesetzte Lagerfenster. Die Fassade der Aufstockung selbst wird mit sonnenverbrannten Altholzlamellen gestaltet. Besonders eingesetzte Sekundärrohstoffe mit ihrer jeweils ganz eigenen Geschichte gestalten die zukünftig gebaute Welt auf eine ganz wunderbare neue Art und Weise. 

House Demonstration Unit (HDU):

All die genannten Punkte finden sich im 1:1 gebauten Ausschnitt des Gesamtentwurfs des Café Ada: in der House Demonstration Unit (HDU). Dabei wird die Südwestecke des Gesamtentwurfs exemplarisch herausgeschnitten und bildet eine voll funktionsfähige ein bis zwei Personen Wohneinheit ab. Um den Charakter der Aufstockung übertragen auf die Demonstrationseinheit darzustellen, wird die HDU als Holzmodulbau vor Ort auf temporäre Gerüstkonstruktionen gestellt, die nach dem Event wieder an den/die Hersteller*in zurückgegeben werden. Zugänglich wird die Einheit über eine Stahltreppe aus der urbanen Mine - einem Recyclinghof -, und einem geliehenen Lift. Die vorgelagerte Terrasse bildet einen gemeinschaftlichen Raum aus dem Gesamtentwurf ab und erlaubt den direkten Blick auf die sogenannte Lagerfensterfassade: Fenster, die bereits in anderen Gebäuden eingebaut waren, oder fehlproduziert wurden und im Zusammenspiel ein neues spannendes Bild erzeugen. Für Besucher*innen wird gleichzeitig ein Blick in die Einheit angeboten, bevor die Wohnung über eine aufgerüstete Altholztür betreten wird. Die statische Konstruktion besteht aus Holzelementen, die aus einer nachhaltigen Forstwirtschaft aus dem Vorarlberg stammen. Die Konstruktion ist sortenrein trennbar, sie ist über Schwalbenschwanzverbindungen miteinander verbunden bzw. gesteckt. Zentral gelegen befindet sich ein Versorgungskern, der Technik, Küche und Bad enthält und die notwendigen Leitungen bündelt. Dadurch wird der Raum drum herum frei bespielbar. Die Hauptwände bestehen aus Lehmbauwänden von CLAYTEC, die Lehmbauplatten schwer (LEMIX) sowie dem Lehm-Oberputz fein 06 und dem YOSIMA Lehm-Designputz in Weiß. Die Lehmbauplatten, die einfach in der Wand und des Weiteren doppellagig im Boden eingesetzt werden, dienen als thermische Speichermasse. Die Lehmwände regulieren eindrucksvoll das Raumklima und stellen eine konstante und gesunde Luftfeuchtigkeit sicher. Zudem werden Staub und Gerüche gebunden. Im Falle eines Rückbaus kann der Lehmputz ganz einfach mit Wasser gelöst und wiederverwendet werden.

Die Kernwände sowie die Deckenuntersicht bestehen zu 100% aus Baumwollfilz auf kompostierbaren Zelluloseplatten mit Lebensmittelabfällen. Weitere spannende Baustoffe sind wiederverwertete Altgläser, die in der HDU als hochwertige Glasplatten in den Nasszellen als Wände Einsatz finden, oder eingeschmolzene Joghurtbecher, die wunderbare Küchenfronten abbilden. Einen Hingucker bildet die eigens designte, flexibel umhängbare Myzelleuchte über dem Esstisch, sowie das ausziehbare Bett, oder der ebenfalls im Vorarlberg konstruierte Kofferschrank aus Holz, der sich im ganzen Raum frei bewegen lässt. Die Fassade an Süd- und Westwand besteht aus wiederverwendeten Altholzlamellen, die Ostseite wird bespannt mit wiederverwendeten LKW-Planen und das Dach aus wiederverwertetem Kupfer mit architektonisch integrierten eingefärbten PVT Modulen. Vor allem Sekundärrohstoffe verhindern den Abbau von endlichen Materialressourcen, sparen CO2-Emissonen und schützen die Umwelt. Alle Materialien werden sortenrein trennbar miteinander verbunden, z.B. über Schraubungen oder Steckverbindungen. Auf Nassdichtungen und Kleber wird verzichtet. Damit stellt RoofKIT sicher, dass die Einheit am Ende ihrer Lebenszeit in alle Einzelteile auseinander genommen werden kann und alle Materialien in entweder den biologischen oder technischen Kreislauf zurückgeführt werden können.

Weitere Informationen zu dem Projekt von Team RoofKIT finden Sie hier oder auf den Social Media Kanälen des Projektteams.

Facebook: https://www.facebook.com/roofkit.de/

Instagram: https://www.instagram.com/roofkit_/

Website: http://roofkit.de/en/

Miriam Driesch
Marketingassistenz

+49 (0) 1578 516 0051

m.driesch@claytec.com