Projektvorstellung Solar Decathlon: levelup TH Rosenheim

Autor: Miriam Driesch veröffentlicht am 09.05.2022
Das Team levelup der Technischen Hochschule Rosenheim befasst sich im Rahmen des Solar Decathlon 2021/2022 mit Sanierungsmaßnahmen und einer Aufstockung für ein Bestandsgebäude im Nürnberger Stadtteil Ludwigsfeld. An dem Projekt beteiligt sind Studierende aus verschiedenen Studiengängen und Fakultäten der TH Rosenheim sowie rund 20 beratende Professor*innen. Zusätzlich Unterstützung erhält das Team von externen Organisationen und Einzelpersonen aus Industrie, Wirtschaft und Forschung. Auch CLAYTEC unterstützt das Projektteam mit der Bereitstellung von ökologischen Lehmbaustoffen.

 

Das Gebäude, welches als Basis für die Aufgabe des Projektteams dient, ist repräsentativ für einen sehr großen Gebäudebestand in Deutschland aus den 1950er bis 70er Jahren. Dieser Gebäudetypus ist meist sanierungsbedürftig, weist einen hohen Energieverbrauch auf und eignet sich zugleich durch eine solide Tragwerksstruktur für eine mehrgeschossige Aufstockung.

levelup steht für eine modulare, flexible Aufstockung in Holzleichtbauweise, adaptierbar auf nahezu alle 1950er bis 1970er Jahre Bauwerke. Die vorgefertigten Module (Küche, Bad, Treppenkern) in standardisierten Größen ermöglichen einfache Transporte, verkürzen die Bauzeit und reduzieren die Baukosten. Neben der modularen Bauweise zeichnet sich das Konzept durch flexible Grundrisse, die an die Bedürfnisse der Bewohner*innen und der Bestandsgebäude angepasst werden können, aus. Ermöglicht wird das durch eine variable Kombination von Räumen und Gemeinschaftsflächen wie begrünten Dachterrassen mit einem Gewächshaus, Loggien, Ateliers und Co-Working Spaces innerhalb der Module.

Das architektonische Erscheinungsbild wird durch eine hofseitig angebrachte Tragkonstruktion geprägt, die eine Verbindung zwischen dem Bestandsgebäude und der Aufstockung schafft. Die Stahlstruktur mit Aufzügen und Laubengängen stellt gleichzeitig die barrierefreie Erschließung der Obergeschosse sicher und ermöglicht den Anbau von Balkonen. Straßenseitig definieren ab dem ersten Obergeschoss gebäudeintegrierte Photovoltaikanlagen das Erscheinungsbild. Die PV-Module sorgen nicht nur für Strom, sondern über ein Fassadenheizsystem auch für die Grundtemperierung des Gebäudes. Im Sommer werden die Bestandsmauern so von außen gekühlt und im Winter erwärmt. Der im Winter zusätzliche benötigte Heizbedarf wird über den Rücklauf des örtlichen Fernwärmenetzes abgedeckt. Auf den Dachflächen der Aufstockung werden ebenfalls hocheffiziente Photovoltaik-Module installiert, die nicht nur Strom, sondern auch Wärme und Kälte erzeugen. Halbtransparente PV-Module auf dem Dach des Gewächshauses ermöglichen eine Doppelnutzung. In Kombination mit den modernen PV-Fassadensystemen erreicht das Team den Plusenergiestandard.

Der Prototyp des levelup Teams, die sogenannte Housing Demonstration Unit (HDU), spiegelt einen repräsentativen Ausschnitt aus dem levelup-System (dem gesamten Energie- und Designkonzept), wieder. Die Housing Demonstration Unit ist eine barrierefreie Wohnung mit einem sehr offenen Grundriss. Der Freiraum ohne tragende Wände kann frei möbliert und gestaltet werden. Neben dem großen Raum mit Küche, Ess-, Wohn- und Arbeitsbereich befindet sich ein barrierefreies Bad und Schlafzimmer. Beide Räume können problemlos für die Nutzung mit Rollstühlen angepasst werden, denn das Ziel ist es, Lebensräume für alle Menschen zu schaffen. Die Gemeinschaftsflächen, das Gewächshaus und die Dachterrasse, befinden sich im Obergeschoss, wie auch einer der Technikräume mit innovativen Technologien, wie einem Bioreaktor, der das Wasser wieder aufbereitet.

Der Prototyp wird auf dem Campus der Technischen Hochschule Rosenheim gebaut, getestet und dann abgebaut und nach Wuppertal zum Wettbewerbsort transportiert. Nach Beendigung des Solar Decathlons wird der Prototyp wieder zum Campus nach Rosenheim gebracht und dient dort fortan als Bürogebäude und Forschungsraum. Ziel des Projektteams ist es also, mit Ihrem Konzept zu demonstrieren, dass bezahlbarer neuer Wohnraum ohne Flächenversiegelung geschaffen werden kann. Gleichzeit wird ein Beitrag zu den Zielen der Bundesregierung für einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2045 geleistet. Auf diese Weise können mehr als 1,1 Millionen neue Wohnungen in deutschen Innenstädten gebaut werden.

Bei dem Ausbau des Demonstrators hat das Team besonderen Wert auf die Verwendung von biobasierten, nachwachsenden Rohstoffen oder Sekundärrohstoffen gelegt. Alle einzelnen Komponenten aus denen sich das Gebäude zusammensetzt, sind so geplant und gestaltet, dass sie am Ende des Lebenszyklus demontiert werden können, indem jedes Material so weit wie möglich getrennt wird. Das Gebäude besteht zu einem sehr hohen Anteil aus Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft und ist zu fast 100 % recycelbar. Dadurch werden die negativen Auswirkungen auf die Umwelt, das Klima und die Lebensqualität auch nach dem Lebenszyklus minimiert. Das im Projekt verwendete Holz ist, wenn möglich, unbehandelt oder wenn nötig, mit biobasierten, VOC- und schadstofffreien Ölen behandelt.

Beispiele sind recycelter Stahl für die Pergola, Küchenarbeitsplatten aus recyceltem Glas und Wand- und Bodenverkleidungen im Badezimmer aus recycelten Reisabfällen. Ein absolutes Novum ist das silikonfreie Bad im levelup Demonstrator. Es wurde ein Bad entwickelt, das ganz ohne Fugenmasse auskommt, weil die Wand- und Bodenverkleidungen aus wasserfesten UPB Resysta®-Platten bestehen. Dazu gehört auch, dass die HDU mit Lignoloc® Holznägeln befestigt wird - eine Entwicklung der TH Rosenheim und der Raimund Beck KG.

Für den Innenausbau des Demonstrators werden außerdem die ökologischen CLAYTEC Lehmbaustoffe verwendet. Der Wandaufbau erfolgt mit der Lehmbauplatte schwer (LEMIX), welche doppelt beplankt an den Wänden im Verbund mit Schrauben angebracht wird. Ebenfalls wird die Lehmbauplatte schwer (LEMIX) in der Dicke 16 mm 3-fach lose am Boden im Verbund verlegt. Als Armierungslage wird an den Wänden der Lehmklebe- und Armierungsmörtel in Kombination mit dem Flachsgewebe verwendet. Im Rückbau ist das Flachsgewebe trennbar und 100% kompostierbar. Das Oberflächen Finish wird mit dem YOSIMA Lehm-Designputz im Classicfarbton Woll-Weiß im gesamten Gebäude gestaltet. Eine Modulwand in der Küche erhält als zusätzlichen Akzent den Strukturzuschlag „Stroh“ für ein besonderes und dennoch natürlich wirkendes Highlight.

Weitere Informationen zu dem Projekt des levelup Teams der Technischen Hochschule Rosenheim finden Sie hier, oder auf den Social Media Kanälen von levelup.

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Miriam Driesch
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