Dreiseithof aus dem 13. Jahrhundert gewinnt den KfW Award 2021

Autor: Miriam Driesch veröffentlicht am 17.12.2021
Mitten im thüringischen Arnstadt rettete das Ehepaar Herz mit großem Einsatz einen uralten Dreiseithof aus dem 13. Jahrhundert. Heute dient die alte Scheune als Wohnraum für das Ehepaar. Für die Neugestaltung bekamen sie in diesem Jahr den ersten Preis in der Kategorie „Bestand“ beim KfW Award Bauen 2021.

Der Kern des Anwesens stammt aus dem 13. Jahrhundert, Ende des 16. Jahrhunderts wurde ein Speicher für Waidpflanzen daraus gewonnen. In der Zeit des Barocks entwickelte sich die Scheune zu einem Brauhaus namens „Zur weißen Gans auf dreyen Rosen“. Zu späteren DDR-Zeiten wurde aus diesem Brauhaus ein metallverarbeitender Betrieb, dabei war der größte Teil des Hofes mit Werkstätten bebaut. Ab 1994 stand die ursprüngliche Scheune leer und wurde fortan nur notdürftig gesichert. Soweit die Historie des alten Baudenkmals. Der Aufwand der Instandsetzung erschien Interessenten zu riskant und abenteuerlich, doch Maike und Daniel Herz begeisterte die alte Scheune direkt und sie nahmen sich der Herausforderung an. Nach einigen Jahren im Ruhrgebiet kehrte das Ehepaar nun somit in die alte Heimat der Pfalz zurück. Das Ehepaar brauchte nur ein Wochenende, um die Umbaupläne zu entwerfen. Sie begannen mit vollem Engagement ihr Vorhaben und stießen bereits zu Beginn auf große Hilfsbereitschaft. Die Freude darüber, dass jemand sich dem alten Schmuckstück annahm und wieder zu altem Glanze verhelfen wollte, war groß. So ergab sich ein nettes Team, welches mit vereinter Kraft zwei Jahre lang bei der Sanierung der Scheune mitwirkte.

110 Tonnen Schutt schleppte das Ehepaar Herz aus dem Bau, bevor sie damit begannen, Balken abzuschrubben und einzuölen, Stakhölzer ins erneuerte Fachwerk einzuflechten und Lehmputz aufzutragen. Maike Herz erzählt: „Die Fußbodenheizung, mehr als zwei Kilometer Leitungen, haben wir selbst verlegt. Das waren unsere Osterferien“. Die Fußbodenheizung im Dach und die im Lehmputz verlegte Wandheizung im Obergeschoss werden mit einer Gasbrennwerttherme betrieben. Außerdem brauchte der 10 Meter tiefe und etwa 20 Meter breite Baukörper zusätzliche Öffnungen für mehr Helligkeit - es sollte mehr Licht in den Wohnbereich eindringen. Das Erdgeschoss mit seiner 4,20 Meter hohen Decke hatte wunderschöne, aber an vielen Stellen bröselnde, Bruchsteinmauern. Die Wände wurden durch punktuelle „Injektionen“ stabilisiert und von einem neuen Ringanker aus Beton zusammengehalten, die historischen Kappendecken im nördlichen Teil durch ein Gerüst aus Stahlträgern gestützt. Der südliche Teil mit dem großen, nun waidblau gestrichenen Tor blieb komplett offen. Hier fanden schon Theateraufführungen und Ausstellungen statt. Im Obergeschoss entschied sich das Ehepaar dazu, einen Teil der Fachwerkwand des Hauses freizulegen und dahinter eine Loggia zu gestalten. Perfekt gelegen, scheint dort von Osten die Sonne am Morgen in die Wohnung. Nördlich des neuen Treppenaufgangs liegt eine weitere Wohnung, die bislang als Büro genutzt wird.

In der Dachgeschosswohnung, die Maike und Daniel Herz selbst bewohnen, entstand ein offener und heller Raum mit einer Galerie. Hier war die Frage der Helligkeit durch zusätzliche Fenster eine echte Herausforderung. Außer winzigen Giebelfenstern gab es hier keine weiteren Öffnungen. Nach einigen Diskussionen mit der Denkmalpflege, wegen des Eingriffs am Dachstuhl, gab es eine Einigung, da sonst keine weiteren Eingriffe an der Bausubstanz vorgenommen wurden. So entstand ein offener, heller Großraum mit einer Galerie, alles belegt mit breiten Douglasiendielen. Der historische Lastenaufzug als drehend gelagerte, dicke Stütze steht mitten im Raum und trennt die Sitzecke von der geräumigen Küche. Hier bewirtet das Ehepaar gerne Gäste und verbringt Zeit beim gemeinsamen kochen. Auf der Nordseite liegen das schlichte Bad und der Schlafraum.

Als Relikt der alten Nutzung überlebt im Dach sogar die alte Winde für die Waidpflanzen, ein stacheliger Zylinder aus Holz, vermutlich der letzte seiner Art.

„Wenn das mal zusammenfällt, bleibt nur ein Häuflein Erde übrig“

Ein guter Wärmeschutz und biologische Materialien waren den Bauherren wichtig. So wurde das gesamte Fachwerk der Außenwände aufgedoppelt, verwendet wurden CLAYTEC Lehmsteine, Lehmwickelstaken und Eichenstaken. Der Zwischenraum wurde mit Blähton ausgefüllt. Die alten Fenster wurden in der zierlichen, einfach verglasten Form nachgebaut und durch einen zweiten Flügel auf der Innenseite zu Kastenfenstern ergänzt. Die gesamte Konstruktion ist frei von Folien und Bauschäumen.

Der Hof ist ein Musterbeispiel für ökologisches Bauen, wie Maike Herz gerne sagt: „Wenn das mal zusammenfällt, bleibt nur ein Häuflein Erde übrig“. Beheizt wird das 306 Quadratmeter große Haus mit einer Gasbrennwerttherme, welche die Fußbodenheizung im Dach und die im CLAYTEC Lehmputz verlegte Wandheizung im Obergeschoss speist. Das Vorderhaus, ein verputztes Fachwerkhaus, ist ebenfalls Teil des alten Hofes. In der Zukunft soll dies das neue Projekt von Maike und Daniel Herz werden – doch im Moment ist erstmal Zeit für eine kurze Verschnaufpause nach der aufwendigen Sanierung.


Fotocredits: Jan Kobel

Das Ehepaar Herz wurde von der KfW Bankengruppe zu ihrer eins alten Scheune aus dem 13. Jahrhundert interviewt.
Maike und Daniel Herz hatten beides: Mut und eine Vision. Mit ihrem Architekten Christoph Schlegel und einem Team von guten Handwerkern*innen haben sie die alte Scheune in ein wunderschönes Wohnhaus umgewandelt, ohne ihren historischen Charakter zu verlieren. Wie es sich in einer ehemaligen Scheune lebt, was alles hinter dem jahrelangen Projekt steckt und wie modern und stilvoll die Inneneinrichtung heute aussieht erfahren Sie in diesem knappen, informativen Video.

Miriam Driesch
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