Der Lehmpavillon – ein schattiges Plätzchen

Autor: Ann-Kathrin Seeberger veröffentlicht am 17.06.2021
„Experimentieren - Konstruieren – Bauen“, hieß es im Praxisseminar des Lehrstuhls für Gebäudelehre und Entwerfen RWTH Aachen unter Leitung von Bernadette Heiermann. Die Studierenden wollten herausfinden, ob Dacheindeckungstechniken mit erdfeuchtem Lehm und vorgefertigten Lehmbauelementen innovativ und kostengünstig umsetzbar sein könnten. Daraus entstanden ist der Lehm-Pavillon auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Hoogcrutz in Noorbeek, Holland.

Der erste Entwurf

Der Semesterkurs begann mit einer Reihe von Experimenten. Als erstes Experiment untersuchten die Studierenden Leander Ostgathe und Timur Tanpolar eine geodätische Kuppel aus komprimierten Blöcken: Stroh-Lehm-Blöcke, die vorgefertigt waren und nach dem Trocknen zu einer geodätischen Kuppel zusammengesetzt werden konnten. Der Block erwies sich an den Kanten als nicht robust genug.

Der zweite Entwurf

Der zweite Entwurf, umgesetzt von Bonnie Grön und Jan Vagaday, war eine Variation von vorgefertigten Leichtlehmplatten. Entstehen sollte Leichtlehmplatten aus einer Weidenbewehrung, bestehend aus Jute und Weidenruten, und Strohlehm. Ziel der beiden Studenten war es, einen Pavillon als eine Art Tannenzapfen aus unterschiedlich großen Lehmbauplatten zu bauen.


Der finale Entwurf

Das dritte Experiment zielte auf ein hyperbolisches Paraboloid in einem Holzrahmen ab. Charles Lueke und Max Obermark entwickelten doppelt gekrümmte Flächen, die in trockener Form mit einer Dicke von drei Zentimetern sehr stabil schienen. Gekoppelt mit den Erfahrungen der ersten beiden Experimente entwickelte sich so der endgültige Entwurf für den später entstanden Pavillon. Entscheidend für dieses Konzept war die Leichtigkeit der Elemente, die dennoch für die nötige Stabilität sorgten. Ein Aufbau ohne den Einsatz von Maschinen war problemlos möglich. Durch die Leichtigkeit des zu verwendenden Materials kann der Pavillon auch nach dem Aufbau verschoben werden.

Der Lehmpavillon als physisches Modell

Die einzelnen Elemente während der Experimentierphase konnten in physischen Modellen mit dem Maßstab 1:10 problemlos multipliziert werden. Nach ersten Bauversuchen auf dem Lehmbaugelände der RWTH Aachen bekamen die Studierenden dank des Betreibers des Kulturzentrums HX Hoogcrutz die Möglichkeit, den Pavillon auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Hoogcrutz in Noorbeek, Holland zu realisieren. Unterstützt wurde das gesamte Team vor Ort durch CLAYTEC Handelspartner Emmanuel und Thomas Laugs, die CLAYTEC Lehm für die Studierenden zur Verfügung stellten. 

Kloster Hoogcruts

Nach einem Brand und jahrelangem Verfall wird das Kloster Hoogcrutz in Noorbeek, Holland, nun restauriert und konserviert. Sowohl das Gebäude als auch der Garten sind mit historischer Entwicklung durchzogen und die Restaurierung selbst wird ein Teil davon. Für die erneute Instandsetzung sollen natürliche Materialien eingesetzt werden, die für experimentelles und innovatives Bauens stehen. Noch unklar ist, wie das Kloster in Zukunft genutzt werden soll. Auch der Garten wird vorerst nicht neu gestaltet. Durch das große Platzangebot bietet dieser allerdings die perfekten Bedingungen für diverse Bauexperimente. Der Pavillon, als temporäres Gebäude, unterstreicht die natürliche Grünanlage dank seiner natürlichen Materialien Lehm und Holz. Dank der leichten Bauweise kann der Pavillon einfach versetzt werden – oder aber auch ganz abgebaut werden.

Zeitgleich entstand auf dem Gelände ein Stampflehmprojekt  mit einer anderen Gruppe von Studierenden des Lehrgebietes Architekturtheorie und Prof. Axel Sowa der RWTH Aachen.

Der Bau

Jedes Bauwerk aus Lehm braucht gute "Schuhe und einen Hut", um es vor Erosion zu schützen. Deshalb wurde die endgültige Konstruktion auf ein Fundament gehoben und mit einem Dach abgedeckt. Der gesamte Bauprozess ließ sich in vier folgende Schritte unterteilen: (A) Fundament, (B) Montage der Einzelelemente, (C) Strohlehm-Herstellung und (D) Bedachung.  Der fertige Pavillon wurde in nur vier Tagen errichtet.

Der fertige Pavillon, der aus einer vorgefertigten und demontierbarbaren Konstruktion besteht, kann durch eine kleine Gruppe von Menschen innerhalb kürzester Zeit aufgebaut werden. Somit haben die Studierenden der RWTH Aachen eine Konstruktion erschaffen, die auf verschiedene Arten zusammengesetzt werden kann. Die Aufgabe, eine innovative und kostengünstige Lösung zu schaffen, wurde erfüllt. Der Pavillon im Kloster Hoogcruts wurde zu einem der ersten Projekte für nachhaltiges Bauen in der Region und zeigt aufs Neue, dass auch mit altbekannten, natürlichen Baustoffen innovative Techniken entwickelt werden können.

Weitere Informationen zum Projekt unter: https://gbl.arch.rwth-aachen.de/ddb/

Fotocredits: © RWTH Aachen

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