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Vom Malermeister zum Lehmbau-Experten: Wolfgang Scheeres

Der Mönchengladbacher Meisterbetrieb Scheeres ist einer der wichtigsten CLAYTEC-Handwerkspartner in unserer Heimatregion am linken Niederrhein. Seit 2002 leitet Wolfgang Scheeres das Familienunternehmen. Von Haus aus Maler und Lackierer mit Meisterbrief, kam Scheeres aus Leidenschaft für den Denkmalschutz zum Thema Lehmbau. Heute ist er nicht nur als kompetenter Handwerker im Bereich edler Lehmoberflächen ein viel gefragter Mann, als Praxisdozent im Auftrag des Dachverbands Lehm hat er großen Anteil an der qualifizierten Schulung angehender Lehmbau-Fachkräfte, auch international.

 

Gelernt hat Scheeres sein Handwerk zunächst im väterlichen Betrieb im Mönchengladbacher Ortsteil Venn.  Nach der Lehre verbrachte er ein Gesellenjahr in einer Werkstatt in Bamberg, die sich auf Kirchenmalerei spezialisiert hatte. „Das war eine sehr schöne Arbeit, bei der ich viel gelernt habe,  dort wäre ich gerne länger geblieben“ berichtet Scheeres. Dass es dazu nicht kam, lag an einer unerwarteten Einladung zur Meisterschule in Düsseldorf, die ihn im Frankenland erreichte. Diese auszuschlagen kam nicht in Frage, schließlich waren die Wartelisten für den Meister-Lehrgang normaler Weise lang, die Plätze entsprechend begehrt. Außerdem, so  Scheeres „musste ich der Tatsache ins Auge sehen, dass bei uns am Niederrhein, anders als in Bayern, kaum Aufträge für Kirchenmalerei zu bekommen sind.“

 

Bauern mit Geld leisteten sich  „Kölner Decke“

 

Nach der erfolgreich absolvierten Meisterschule arbeitete Wolfgang Scheeres zunächst wieder im Betrieb des Vaters mit. Die Zeit als Kirchenmaler in Bamberg hatte den jungen Handwerker jedoch nachhaltig geprägt und seine Leidenschaft für die Denkmalpflege geweckt. Bei der Suche nach vergleichbaren Tätigkeitsfeldern in der niederrheinischen Heimatregion entdeckte er die zahlreichen Bauernhöfe aus dem 18. Jahrhundert, die vielerorts das Erscheinungsbild ländlicher Gegenden prägen. Er erwarb selber einen alten Hof Baujahr 1780 und legte damit den Grundstein für seine spätere Spezialisierung in Sachen Lehmbau und Denkmal-Sanierung.


Im eigenen Hof stieß Scheeres auf Fragmente einer so genannten „Kölner Decke“. Der Begriff bezeichnet eine Konstruktion aus Deckenbalken und den darüber liegenden Dielen, die vollständig mit Putz überzogen ist, wobei die Enden zwischen den Balken halbrund ausgeführt sind. „Wenn der Bauer etwas mehr Geld hatte, wurde so eine Decke fällig, das war gewissermaßen ein Statussymbol“, erläutert Wolfgang Scheeres. Da er seinerzeit noch über keinerlei Erfahrungen im Lehmbau verfügte, suchte Scheeres nach einem spezialisierten Handwerksbetrieb, der im helfen konnte, „seine“ Kölner Decke originalgetreu zu rekonstruieren. Jemand empfahl ihm das Lehmbau-Unternehmen des damals noch als Handwerker tätigen Peter Breidenbach.

Guter Rat von Handwerker zu Handwerker

 

Der riet ihm, sich persönlich der Sache anzunehmen: „Du bist doch Handwerker, das kannst du selber.“ Der Tipp des Praktikers Breidenbach erwies sich als goldrichtig. Schnell entdeckte Scheeres seine Freude am Baustoff Lehm, auf einer Handwerker-Schulung am Alten Ringofen vertiefte er seine auf der privaten Baustelle erworbenen Fertigkeiten und konnte schließlich selber handwerkliche Leistungen im Bereich Lehmbau anbieten.  Parallel zu Scheeres‘ wachsendem Engagement in Sachen Lehmbau verlagerte Unternehmer Breidenbach seine Aktivitäten weg vom Handwerksbetrieb hin zum Erzeuger und Vertreiber von Lehmbau-Produkten. Dadurch waren nun einige hochspezialisierte Handwerker verfügbar, die Scheeres zur Verstärkung seines neu zusammengestellten Lehmbau-Teams gut gebrauchen konnte.


Im Jahr 2002 übernahm Wolfgang Scheeres den väterlichen Betrieb.  Vom aktuellen  Firmensitz in Mönchengladbach-Hardt aus bietet das Unternehmen, neben konventionellen Malerarbeiten, qualifizierte Lehmbau-Leistungen wie Gestaltung, Innenputz und Restauration an. Seit 2005 ist sein Bruder Norbert, ebenfalls Maler- und Lackierer-Meister, in der Firma für die konventionellen Malerarbeiten zuständig. Scheeres selber baut beim Thema Wandflächengestaltung mittlerweile zu 100% auf Design-Lehmputz: „Bei Neukunden-Terminen nehme ich das Tapetenbuch gar nicht mehr mit. Stattdessen zeige ich Yosima-Produktmuster.“

Vom Niederrhein nach Abu Dhabi

 

Die Wandlung vom Lernenden hin zum Experten in Sachen Lehmbau vollzog sich bei Wolfgang Scheeres stetig und konsequent, seit einigen Jahren ist er auch Lehrender. Für Claytec führt er Praxisseminare durch, für den Dachverband Lehm schult er die Teilnehmer der handwerklichen Weiterbildung zur „Fachkraft für Lehmbau“. Den theoretischen Part dieser Kurse betreut der Berliner Architekt und Buchautor Dr. Christof Ziegert. Mittlerweile trägt die gemeinsame Lehrtätigkeit von Handwerker und Architekt sogar internationale Früchte. Im Zuge der aufwändigen Restauration des Al Jahili Forts in Abu Dhabi unterstützten beide gemeinsam die indischen Bauarbeiter bei der Ausführung der feinen Lehm-Oberflächen. Nach der erfolgreichen Abwicklung des prestigeträchtigen Sanierungsprojekts beschloss die für das Bauvorhaben verantwortliche Abu Dhabi Authority for Culture and Heritage (ADACH), in Zukunft verstärkt auf traditionelle Bautechniken zu setzen. Mittlerweile veranstaltet die ADACH  in Kooperation mit dem Dachverband Lehm  in Abu Dhabi jährliche Lehmbau-Fortbildungskurse. Praxisdozent: der Lehmbau-Experte vom Niederrhein – Wolfgang Scheeres.

Malermeister und Lehmbau-Experte:
Wolfgang Scheeres
Ehemals bäuerliches Statussymbol „Kölner Decke"
Diele mit restauriertem Stuckbogen und Lehmputz
Lehmputz im Bad
Balkendecke mit Lehmputz

 

 

Lehmstreichputz in der Küche

 

 

Strukturputz trifft Kunst
Lehmputz in Individueller Formgestaltung nach Kundenwunsch

 

 

Arbeitsteilung unter Brüdern: Wolfgang (links) und Norbert Scheeres