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„Überzeugungstäter“ nach Schlüsselerlebnis: Eugène Anny

In Stolberg bei Aachen betreibt der gebürtige Togolese Eugène Anny seinen Fachbetrieb für ökologische Sanierung, Lehmbau und Gestaltung. Seit seinem radikalen Wechsel weg von herkömmlichen, hin zu ökologischen Techniken und Materialien hat sich der erste farbige Malermeister Deutschlands in seiner Aachener Heimatregion und weit darüber hinaus einen herausragenden Ruf als Lehmbau-Spezialist erarbeitet.

Wir treffen Eugène Anny in einem ländlichen Vorort Krefelds. In einer Villa aus den 1920er-Jahren ist nach etlichen Jahren Sanierungsstau reichlich zu tun: Große Flächen sind mit Wandtemperierung, Innendämmung und Lehmputz zu versehen,  die sichtbaren Oberflächen sollen als Finish mit YOSIMA Lehm-Designputz im Farbton Kolumba-Grau gestaltet werden.

Eine Besonderheit dabei: Das hochwertige Material soll in vergleichsweise grober Manier verarbeitet werden, denn für den Bauherrn ist der Baustoff Lehm untrennbar mit einer mindestens angedeutet archaischen Haptik verbunden. Neben diesem ästhetischen Aspekt hat das gewünschte  grobe Oberflächenfinish aber auch ganz profane wirtschaftliche Gründe: Auf zwei Etagen des großzügig geschnittenen  Eigenheims kommen etliche Quadratmeter Wandflächen zusammen. Da addiert sich jede zusätzliche Überarbeitung zu erheblichen Arbeitsstunden auf. Eine Aufgabe des Lehm-Spezialisten Eugène Anny ist es, den Verputzern vor Ort zu vermitteln, dass eine Verarbeitung des edlen Lehm-Designputzes in einer Weise vorgesehen ist, die den versierten Bauhandwerkern zunächst weit weg von den eigenen hohen Ansprüchen zu sein scheint.

Spezialaufgabe: Perfekte Umsetzung des Unperfekten

Eine „gleichmäßige Ungleichmäßigkeit“ zu erzielen, wie vom Bauherren gewünscht, erfordere im Gegenteil großes handwerkliches Geschick, so Anny. Darüber verfügen die vom Hausbesitzer beauftragten erfahrenen Verputzer durchaus - dennoch dauert es etwas, bis die Handwerker-Kollegen das mild-spöttische Lächeln abgelegt haben und den Ausführungen des Lehm-Spezialisten Anny die notwendige Aufmerksamkeit widmen. Langsam scheint nun klar zu werden, was für eine anspruchsvolle Aufgabe so eine perfekte Umsetzung des Unperfekten ist.

Als Eugène Anny 1998 in Aachen als erster Farbiger in Deutschland den Meisterbrief als Maler und Lackierer erhielt, ahnte er noch nicht, in welche Richtung ihn sein weiteres Berufsleben führen würde. Farben und Lacke aus herkömmlicher Produktion nutzt der gebürtige Togolese heute, 17 Jahre später, schon lange nicht mehr. Stattdessen hat er sich in seiner Heimatregion im Aachener Land und darüber hinaus einen herausragenden Ruf als Verarbeiter natürlicher Baumaterialien und Lehmbau-Spezialist erarbeitet. Annys konsequente Abkehr von Lösemitteln, Chemie, Kunstharz und Co. hat, ebenso wie seine Hinwendung zum Baustoff Lehm, ihren Ursprung in einem Hauskauf vor etwa 10 Jahren.

Das alte Bruchsteinhaus aus dem 17. Jahrhundert, das Eugène Anny damals erwarb, ist heute das Familiendomizil. Die Restaurierung des historischen Gemäuers  wollte er weitestgehend mit authentischen historischen Techniken und Materialien gestalten. Für den Malermeister bedeutete das zugleich den Einstieg in das Thema Lehmbau, denn Lehm war hier reichlich verbaut. Den Naturbaustoff Lehm kannte er zwar aus seiner ursprünglichen Heimat Togo, aber für den Handwerker waren dies seine ersten Erfahrungen mit Lehm als Baumaterial. Wie viele seiner Lehmbau-Kollegen eignete er sich in der Folge die grundlegenden Lehmbaukenntnisse bei der Sanierung des eigenen Wohnhauses an. „Kleinere Katastrophen inbegriffen“, wie Eugène augenzwinkernd eingesteht.

Konsequente Abkehr von Lösemitteln, Chemie, Kunstharz und Co.

Neben den handwerklichen Schlüsselerlebnissen, die die Restaurierung des eigenen Heims mit sich brachte, hat Annys besondere, tiefe Verbundenheit zu Naturbaustoffen und speziell zum Lehm noch einen weiteren Grund: Im Zuge der Instandsetzung seines Hauses verschwanden auf einmal die Symptome einer schmerzhaften rheumatischen Arthritis, unter der der Malermeister damals litt. Der Verdacht, dass die  gesundheitlichen Beschwerden womöglich auf den Kontakt mit fragwürdigen Bestandteilen herkömmlicher Farben und Baustoffe zurückzuführen waren, sollte sich kurz darauf bestätigen.  
Im Vorfeld einer Handwerkermesse erhielt Anny den Auftrag zur Herstellung von Musterplatten für einen Messestand. „Ich hatte kaum mit der Arbeit angefangen, da bekam ich wieder die ersten Symptome: meine Augen wurden rot und die Schulter blockierte“, berichtet er. „An diesem Tag stand mein Entschluss fest: Ab sofort verarbeitest du nur noch Naturbaustoffe!“ – Tatsächlich lebt Eugène Anny seitdem annähernd beschwerdefrei und ist nach diesem einschneidenden Erlebnis ein absoluter Überzeugungstäter in Sachen Lehm und Naturbaustoffe.

In Eugène Annys täglicher Arbeit nimmt der Lehmbau mittlerweile einen Anteil von ca. 90% ein. Sein autodidaktisch erworbenes praktisches Wissen ist heute durch verschiedene Lehmbau-Schulungen und Weiterbildungen unterfüttert. 2010 und 2011 nahm er an CLAYTEC Fachschulungen im Ecolut-Forum in Engelskirchen teil, 2013 erwarb er vor der Handwerkskammer Koblenz die Qualifikation zur Fachkraft Lehmbau, sein Unternehmen erhielt die  Auszeichnung  zum „Lehmbaufachbetrieb Dachverband Lehm e.V.“.

Anspruchsvolle Lehmbau-Projekte

Beispielhaft für die vielen anspruchsvollen Bauvorhaben, die Eugène Anny in den letzten Jahren umgesetzt hat, stehen die beiden im Bild dokumentierten Projekte. Bei der Sanierung einer Villa in Belgien wurden die alten Radiatoren durch Wandheizungen ersetzt, die Wandoberflächen mit YOSIMA schwarz pur gestaltet. In einem Neubau im heimischen Stolberg stattete Eugène Anny einen Großteil der Wände mit CLAYTEC Lehm-Unterputz grob aus. Das Besondere: hier wurde der grobe Unterputz auch zur Oberflächengestaltung genutzt, erhielt jedoch durch mehrfaches Filzen ein feines Finish. Seine Lehmbaustoffe bezieht Eugène Anny bei CLAYTEC Handelspartner Baustoffe Geulen in Aachen-Brand. Mit Wolfgang Zimmermann, der dort die Abteilung für ökologische Baustoffe leitet, besteht eine langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit.
 

Bruchsteinhaus aus dem 17. Jahrhundert.
Bruchsteinhaus Detail
Bruchsteinhaus Detail
Lehmbauspezialist in wohngesundem Zuhause: Eugène Anny
BV Villa in Belgien: Wandgestaltung mit YOSIMA schwarz pur
BV Stolberg: Lehm-Unterputz grob, Variante fein gefilzt