Ein Meilenstein für den Baustoff Lehm: DIN-Normen zum Lehmbau treten in Kraft

Ab August 2013 treten erstmals seit 1971 wieder verbindliche Normen für den Lehmbau in Deutschland in Kraft. Sie gelten für Lehmsteine, Lehmmauer- und Lehmputzmörtel. Damit ist der Baustoff Lehm endgültig im jetztzeitlichen Bauen angelangt.
Für nicht genormte und auf der Baustelle hergestellte Lehmbaustoffe gelten weiterhin die 1998 erstmals erschienenen Lehmbau Regeln. Mit der aktuell stattfindenden Überarbeitung der  Innenputz-Anwendungsnorm DIN 18550-2 sind die Weichen in Richtung einer europaweiten Anerkennung des Materials gestellt.

Schon in den einst geteilten deutschen Staaten BRD und DDR gab es Standards zu Lehmbaustoffen. In der Bundesrepublik Deutschland wurde im Januar 1951 die DIN 18951 Lehmbauten Vorschriften für die Ausführung eingeführt. In der Deutschen Demokratischen Republik wurden diese Regelwerke zunächst noch anerkannt. Im Jahr 1971 wurde die DIN 18951 zurückgezogen. Die in den 1980er Jahren einsetzende Wiederentdeckung des Lehmbaus verlief daher auf baurechtlich unklaren Grundlagen. Inhaltlich gab es zu diesem Zeitpunkt nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit dem Lehmbau der 1950er Jahre.

1996 betraute deshalb das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) den 1992 in Weimar gegründeten Dachverband Lehm e. V. (DVL) mit der Formulierung einer aktuellen bauaufsichtlichen Grundlage. Ein neues, zunächst allgemeines Regelwerk sollte den Stand der Technik dokumentieren. So entstanden 1997 die Lehmbau Regeln, die ein Jahr später zur bauaufsichtlichen Einführung in den Bundesländern empfohlen wurden.

Mit der Überarbeitung der Lehmbau Regeln 2005 und der darin vorgeschriebenen Deklaration der wichtigsten Eigenschaften von im Werk hergestellten Lehmbaustoffen war der Weg zur Normierung von Lehmbauprodukten beschritten. Zwischen 2009 und 2011 erarbeiteten Dr. Urs Müller und Dr. Christof Ziegert an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) die fachlichen Grundlagen der jetzt neuen Normen. Dazu wurden Materialprüfverfahren entwickelt und eingeführte Verfahren angepasst. Zusätzlich wurden Verfahren zur Bewertung von Umwelteigenschaften und raumklimatischer Wirksamkeit (Feuchtesorption) definiert.

Diese inhaltlich weit gediehene Vorarbeit bildete die Grundlage für den im Jahr 2011 vom DVL am Deutschen Institut für Normung (DIN) initiierten Arbeitsausschuss Lehmbau. Sie trug mit dazu bei, dass die nunmehr veröffentlichte Norm in geradezu spektakulär kurzer Vorlauf-Zeit von nur 20 Monaten auf den Weg gebracht werden konnte - üblich sind mindestens 36 Monate. Seit August 2013 sind die folgenden nationalen Normen für im Werk hergestellte Lehmbaustoffe veröffentlicht:

- DIN 18945 "Lehmsteine – Begriffe, Anforderungen, Prüfverfahren"
- DIN 18946 "Lehmmauermörtel – Begriffe, Anforderungen, Prüfverfahren"
- DIN 18947 "Lehmputzmörtel – Begriffe, Anforderungen, Prüfverfahren"

Die detaillierten Inhalte der neuen Lehmbau-Normen sind auf der Webseite des Normenausschusses Bauwesen unter diesem Link kostenpflichtig abrufbar. Die für Planer und Anwender relevanten Informationen werden sich auch in der zweiten Auflage des Fachbuches Lehmbau Praxis von Prof. Dr. Christof Ziegert und Ulrich Röhlen finden. Beide saßen als Obmann und Stellvertreter dem Normausschuss vor. Das Buch wird im Herbst verfügbar sein. Veröffentlicht wird es vom Beuth-Verlag, der auch alle Normen des DIN herausbringt.

Selbstverständlich hat CLAYTEC bereits alle entsprechenden Produkte normgemäß prüfen lassen. Mit den neuen Werten wird die bekannt hohe technische Qualität der CLAYTEC Lehmbaustoffe hieb- und stichfest belegt. Die Deklarationen der Eigenschaften werden sukzessive auf den Produktverpackungen zu finden sein.

CLAYTEC Materialkennwerte nach DIN

CLAYTEC-Technikleiter Ulrich Röhlen ist als Vertreter des DVL auch Mitglied des Normausschuss DIN 18550. In dieser Anwendungsnorm werden Lehmmörtel zukünftig behandelt, ebenso wie Zement-, Kalk- und Gipsmörtel. Ähnliches ist für die entsprechende Europäische EN 13914-2 geplant. Ulrich Röhlen ist auch Mitglied des Ausschusses zum Deutschen Standard-Leistungsbuch. Zukünftig können Lehmputzarbeiten ganz Norm-konform und offiziell ausgeschrieben werden.   

Der Lehmbau ist somit vollständig und unumkehrbar in die Struktur des heutigen Baugewerbes integriert. Dies zu erreichen war schon immer ein Kernanliegen von CLAYTEC.  Auf höchster staatlicher Ebene wird der Baustoff Lehm nun mit der gleichen Ernsthaftigkeit behandelt wie andere Baustoffe. Um dieses Maß an Anerkennung und bauaufsichtlicher Legitimation werden wir von den Lehmbau-Praktizierenden unserer europäischen Nachbarländern beneidet. Sie wissen aus Erfahrung: Die Normierung ist nicht die Bürokratisierung des Lehmbaus, sondern das Ende von Ignoranz und Willkür.

Die neuen DIN-Normen gelten für Lehmsteine,
Lehmmauermörtel und Lehmputzmörtel
In der überarbeiteten Neuauflage der „Lehmbau-
Praxis“, die im Herbst erscheint, sind die
DIN Normen für Lehmbaustoffe eingearbeitet.
Waren an der Erarbeitung der neuen DIN Normen
maßgeblich beteiligt: Prof. Dr. Christof Ziegert (li.)
und Dipl.-Ing. Ulrich Röhlen

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