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„Alles was echt ist“ – Karl Schmitz, Baukraft Naturbaustoffe

Von Köln-Widdersdorf aus versorgt das Unternehmen Baukraft Naturbaustoffe Handwerker, Baustoffhändler, Renovierer und Häuslebauer in Köln und der Region mit einem umfangreichen Produktsortiment. Inhaber Karl Schmitz ist von Haus aus Bauingenieur und kann auf eine mehr als 20-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Die Entwicklung des Unternehmens spiegelt gesellschaftliche Wandlungen wider. Die Balance zu finden zwischen purem „Öko-Lifestyle“ und nachhaltiger Glaubwürdigkeit durch Kompetenz in der Tiefe empfindet Schmitz als seine größte unternehmerische Herausforderung. Im Lehmbau mit seinem „erdenden“ Charakter sieht er einen echten Mehrwert für die „Generation Facebook“, diesen adäquat zu vermitteln als lohnende Aufgabe.

 

Beinahe wie eine Kathedrale wirkt die imposante Scheune, die als Lagerhalle dient. Sowohl ebenerdig als auch auf einer nachträglich errichteten umlaufenden Zwischendecke stapeln sich Paletten, Eimer und Sackware teils bis in schwindelerregende Höhen. In einem der für die Region typischen  weitläufigen Vierkanthöfe hat das Unternehmen Baukraft Naturbaustoffe eine ideale Heimstatt für die Lagerhaltung und Präsentation seines umfangreichen Sortiments natürlicher Baumaterialien gefunden. Die Produktpalette ist weit gefasst: Von Bodenbelägen aus Holz, Kork oder Linoleum über Wandoberflächen aus Lehm oder Kalk sowie Roh- und Ausbau-Materialien wie OSB-Platten oder Lehmbaustoffen und Schüttungen  bis hin zu natürlichen Dämm-Materialien auf Hanf-, Zellulose- oder Holzfaser-Basis reicht das Portfolio der Kölner Naturbaustoff-Spezialisten. Wand- und Bodenheizungs-Systeme sowie Fenster und Türen komplettieren das umfangreiche Warenangebot. Im Laufe der fortschreitenden Ausweitung der Geschäfte in den letzten Jahren nahm man Zug um Zug weitere Gebäude der Hofanlage in Beschlag. „So langsam wird der Platz fast schon wieder knapp“, stellt Geschäftsführer Karl Schmitz mit einem prüfenden Blick herab vom ehemaligen Heuboden fest.

 „Als ich 1984 anfing, haben wir uns über Begriffe wie ‚Markt‘ überhaupt noch keine Gedanken gemacht.“ Aus der Friedensbewegung war seinerzeit die Umweltbewegung entstanden. Karl  Schmitz berichtet von den Anfängen: „Meldungen wie die von den bei Nordsee-Fischen beobachteten ‚Blumenkohlgeschwüren‘ schockierten uns. Es herrschte allgemeine Aufbruchsstimmung, gegen derlei ökologische Missstände aktiv etwas zu unternehmen.“ Gemeinsam mit zwei befreundeten Architekten gründete Bauingenieur Schmitz das Unternehmen „Bauwerkstatt“, das sich dem Verkauf ökologisch unbedenklicher Produkte widmete. Schmunzelnd erinnert er sich an Errungenschaften wie die seinerzeit unter den „Hardcore-Ökos“ überaus beliebten Strohkernmatratzen: „Bretthart waren die!“

Von „Hardcore-Ökos“ und „Lohas“

Aus der „Bauwerkstatt“ entstand in der Folge das Unternehmen „Baukraft Naturbaustoffe“. Es war als Großhandel konzipiert, der im Großraum Köln innerstädtische Bioläden und alternative Baustoffhandlungen mit ökologischen Baumaterialien versorgte. Mitte der 1990er Jahre stieg auch der klassische Baustoffhandel auf den Trend hin zum natürlichen Bauen ein. Auch Baustoffketten erkannten nun das kommerzielle Potential der Naturbaustoffe. Damit erweiterte sich für Baukraft der Kundenkreis nochmals. Das bewährte Erfolgsmodell, als „logistischer Puffer“ auch kleinen und mittelgroßen Händlern eine ständige Verfügbarkeit der begehrten nachhaltigen Baumaterialien zu gewährleisten, sicherte den Fortbestand und die kontinuierliche Weiterentwicklung des Unternehmens.

Die Vereinnahmung  durch den „Mainstream“ und der Trend zum „ökologischen Lifestyle“ haben für Karl Schmitz nicht nur positive Aspekte. Kritisch diagnostiziert er eine neue Beliebigkeit beim Verbraucher. Details würden oft gar nicht mehr hinterfragt, solange nur das Etikett „Öko“ vorhanden sei. „Das ist die Schattenseite der Entwicklung: Ist Ökologie für die so genannten ‚Lohas‘, also für diejenigen, die sich dem ‚Lifestyle of Health and Sustainability‘ verschrieben haben, am Ende nur noch eine Stil-Frage oder sind sie wirklich bereit, ihr Leben konsequent nach dem Primat von Gesundheit und Nachhaltigkeit auszurichten?“ Er lege jedenfalls großen Wert darauf, mit seinem Unternehmen beim bewusst handelnden Verbraucher durch Kompetenz in der Tiefe zu punkten.

Wider die digitale Reizüberflutung

Die erste Begegnung mit Claytec hatte Karl Schmitz zu Beginn der 1990er-Jahre. Er selbst baute damals für sich und seine Familie in der Ökosozialen Siedlung in Köln-Blumenberg. An den damals dort entstehenden Holzständer-Strohlehm-Bauten war auch Claytec maßgeblich beteiligt. „Dort erlebte ich zum ersten Mal, wie unaufgeregt und gleichzeitig hochprofessionell sich Claytec dem Thema Lehmbau widmete. Da zeichnete sich bereits das ab, was den späteren Erfolg ausmachte: das Vermögen, die so unterschiedlichen Welten der alternativen Szene und der ‚seriösen‘ Bauwirtschaft zu verbinden und so den Lehm als vollwertigen Baustoff zu etablieren“. Bei Baukraft sind Claytec -Lehmbaustoffe seit Ende der 1990er-Jahre im Angebot. Seitdem wächst deren Anteil am Gesamtumsatz kontinuierlich.

Die stetige Veränderung in der gesellschaftlichen Wahrnehmung des Themas „nachhaltiges Bauen“, der strukturelle Wandel der heterogenen Gruppe der „typischen“ Verbraucher natürlicher Baustoffe und die damit einhergehende Notwendigkeit, Vertrieb und Marketing stets aufs Neue an geänderte Bedingungen anzupassen, das alles sind Themen, die den Kaufmann Karl Schmitz beschäftigen. „Die große Dynamik, die in den 1990er- und 2000er-Jahren den Handel mit ökologischen Baustoffen prägte, ist vorbei. Das Geschäft ist beileibe kein Selbstläufer.“, sagt Schmitz Die „klassische“ Kundschaft mit ihrer starken Verwurzelung in der ökologischen Bewegung gebe es immer weniger, deshalb sei es wichtig, neuen Kundengruppen die bekannten Stärken natürlicher Baumaterialien, wie etwa dem Lehm, zu kommunizieren. „Die Arbeit mit Lehm erdet. Den Jungen, deren Alltag vom kontinuierlichen Datenfluss der Neuen Medien und des Internets geprägt ist, für die das digitale Rauschen permanente Begleitmusik des Lebens ist, haben wir damit etwas Einmaliges zu bieten. Ein zukünftiger Slogan zur Vermarktung unserer Produkte könnte beispielsweise lauten: ‘Alles was echt ist‘“, führt Karl Schmitz aus und bekräftigt: „Wir müssen klarmachen, dass ‚Öko‘ nicht nur ‚hip‘ ist sondern wertvoll!“

Karl Schmitz
Weitläufiger Vierkanthof: das Baukraft-Areal in Köln-Widdersdorf
Beinahe Sakralbau-Charakter: ehemalige Scheune als Lagerhalle
Logo-Design im Wandel der Zeit: Aus „bauwerkstatt“ wurde „Baukraft“
Breitgefächertes Produktsortiment: Lehmbaustoffe, Holz und vieles mehr
Das Baukraft-Team, v.l.n.r.:
Karl Schmitz-Geschäftsführer,
Germaine Bonfig-Verwaltung,
Carsten Borchert-Verkaufsleiter und
Günter Faltmann-Kundenberater