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"Lehmbär" aus Leidenschaft: Damir Levak

Im bergischen Much betreibt der ursprünglich aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Lehmbauer Damir Levak sein Gewerbe mit viel Leidenschaft und ansteckender Begeisterung. Als „Lehmbär“ ist er in der Region und darüber hinaus für erstklassiges Lehmbau-Handwerk bekannt.

Mein Gesprächspartner zeigt mir demonstrativ seine Hände: kräftig sind die, bilden mit ihren vergleichsweise kurzen Fingern eine fast kreisrunde Form, die in der Tat an die Tatze eines Bären erinnert. „Der Name ‚Lehmbär‘ hat sich irgendwann von selbst ergeben. Meine Freunde riefen mich immer schon ‚Bär‘, ‚Bärchen‘ oder  ‚Teddy‘, und irgendwann fing dann auch der erste Kunde damit an und nannte mich ‚Lehmbär‘.  Da habe ich mich sozusagen in mein Schicksal gefügt und das zu meinem offiziellen Namen gemacht.“ Damir Levak schmunzelt, als er vom Ursprung seines „tierischen“ Pseudonyms erzählt. Er berichtet weiter: „Später merkte ich dann, dass besonders Frauen und Kinder sich für den ‚Lehmbären‘ interessierten. Viele Kunden, die ich fragte, wie sie auf mich aufmerksam wurden, berichteten, dass sie in Handwerkerverzeichnissen beim ‚Lehmbären‘ hängengeblieben waren. Der Begriff strahlt einfach etwas Warmes und Authentisches aus, genau wie der Werkstoff Lehm selber.“

 

Gespür für Selbstvermarktung


Auch sonst  beweist  „Lehmbär“ Damir Levak ein glückliches Händchen in Sachen Selbstvermarktung. Ich treffe ihn im Bergischen Energiekompetenzzentrum, wo der Handwerker seit der Eröffnung im Sommer diesen Jahres mit einem kleinen aber prominent platzierten Stand vertreten ist. Die Entscheidung für sein Engagement dort hat sich für Levak jetzt schon ausgezahlt. Die Einrichtung auf dem Gelände der Deponie Leppe im Oberbergischen Kreis hat sich in den wenigen Monaten ihres Bestehens zum beliebten Ausflugsziel für Familien gemausert. An jedem Wochenende schlendern hunderte Besucher durch die Ausstellung, die über erneuerbare Energien, Energieeffizienz und energetische Gebäudesanierung informiert. Hier verbringt Levak viele Sonntage, um den Besucherinnen und Besuchern den Baustoff Lehm mit seinen energetischen und ästhetischen Möglichkeiten nahe zu bringen.

Wo die meisten Aussteller allerlei technisches Gerät, Info-Tafeln und Broschüren präsentieren zieht der „Lehmbär“ mit seinen praktischen Vorführungen zum Thema Lehmbau regelmäßig viel Aufmerksamkeit auf sich. „Wenn ich hier ganz praktisch und konkret mit Lehm hantiere, Gefache ausfache oder eine Lehmziegelwand mauere bleiben die Menschen stehen und gucken, ganz schnell bildet sich eine Menschentraube, die weitere Neugierige anlockt. Wenn die Kinder dann noch selbst mit den eigenen Händen im Lehm wühlen dürfen, ist die Begeisterung groß.“ Ein besonderes Überraschungsmoment ist es regelmäßig, wenn Levak nach derlei traditionell-handwerklichen Vorführungen die angehenden Häuslebauer und -sanierer mit den edlen Oberflächen aus seinem Yosima-Produktmusterkoffer konfrontiert. Diese Momente genießt der Lehmbauer ganz besonders: „Die meisten Besucher habe ich zu diesem Zeitpunkt mit meinen praktischen Demonstrationen schon ‚einfangen‘ können. Mit dieser edlen Design-Variante konfrontiert sind viele dann vollends verblüfft.“

Der in Kroatien geborene Damir Levak zog 1971 nach Krefeld, wo sein Vater als Jazzmusiker lebte. Zum Thema Lehm kam Levak, wie viele seiner Lehmbau-Kollegen, durch Reisen in ferne Länder. Nach Abschluss einer Maurerlehre machte er sich mit dem Auto in Richtung Indien auf und erkundete den Subkontinent eineinhalb Jahre lang. Dort kam er erstmals mit Lehmbau in Berührung. Endgültig geweckt wurde Levaks Lehm-Begeisterung bei einem Aufenthalt in Burkina Faso  1984. Dort war er aktiv am Bau eines Theaters ganz aus Lehm beteiligt. Hier erlebte er aber auch die Widersprüche, die sich in dem westafrikanischen Staat wie in vielen anderen ärmeren Gegenden der Erde zeigten. „Die junge Generation strebte nach Wohlstand westlicher Prägung, die eigene kulturelle Identität war angesichts materieller Not von eher sekundärem Belang. Ein Betonhaus westlicher Bauweise galt als erstrebenswertes Statussymbol. Am Wochenende fuhren die meisten aber dann doch wieder zur Oma, um sich in deren Lehmhaus abzukühlen.“

 

Zur Kapazität geworden

 
Nach seiner Rückkehr aus Afrika stand für Damir Levak fest, dass er in Zukunft vom Lehmbau leben wollte. In den nächsten Jahren erwarb er sich, unter anderem beim  Bau eines Fachwerkhauses zur eigenen privaten Nutzung, maßgebliche Fähigkeiten im Lehmbau-Handwerk. Mitte der Neunzigerjahre lernte er den Düsseldorfer Lehmbauer Norbert Poll kennen. „Bei ihm habe ich die entscheidenden Feinheiten meines Handwerks gelernt“, berichtet Levak. Im Umfeld Polls traf Levak auch erstmals auf Claytec-Gründer Peter Breidenbach. Gemeinsam nahm man später an Lehmbau-Workshops im Claytec-Stammhaus am Alten Ringofen in Viersen teil.

Mittlerweile gilt „Lehmbär“ Levak in seiner Wahlheimat, dem Bergischen Land, als Kapazität in punkto Lehmbau. An zahlreichen Referenzobjekten hat er im Laufe der Jahre seine Handschrift als Lehmbauer hinterlassen können. Eines davon ist die Musikschule „Klang-Atelier“ in Bergisch Gladbach. Dort konnte er das ganze Spektrum seines erlernten Handwerks ausschöpfen. Vom Ausfachen mit Flechtwerk und Lehm über Innendämmung mit Lehmbauplatten und Wandheizung bis zum Verputzen mit Lehm-Unterputz und dem Finish mit Lehmoberputz.

Ein traditioneller weißer Kalkanstrich rundet das Bild ab. Interessantes Detail dieses Bauvorhabens ist Levaks Behandlung der Treppe im Haus. Diese kleidete er an der freiliegenden Unterseite  komplett mit Lehmputz aus und strich ebenfalls mit Kalkfarbe. Bemerkenswert: auch die starke Alltagsbelastung der zentralen Treppe und die damit einhergehende permanente physische Beanspruchung durch ständige Erschütterung und Bewegung verzeiht der „gutmütige“ Natur-Baustoff Lehm. Selbst nach mehreren Jahren weist die lehmverputzte Treppenunterseite keinerlei Risse oder andere Schadstellen auf. Auch ästhetisch sind Bauherr und ausführender Handwerker bei diesem Objekt auf einer Wellenlänge. Dem organischen Baumaterial Lehm und dem kreativ-musischen Nutzungszweck der Räumlichkeiten entsprechend dominieren weiche, runde Formen die Ausgestaltung von Fensterstürzen, Türöffnungen und Wandnischen.

„Meine beste Werbung ist meine eigene Arbeit“, sagt der Mann, der um ein Haar Fußballprofi geworden wäre, einen Vorvertrag eines Bundesliga-Vereins hätte er damals nur noch zu unterschreiben brauchen. Aber er wollte lieber reisen, und als er Jahre später wieder zurück in die Heimat kam, da hatte er sein Herz schon an den Lehm verloren.

„Der Lehmbär“ Damir Levak
Beliebtes Aus flugsziel für Familien: Energiekompetenzzentrum Bergisches Land
Jedes Wochenende gut besucht: Der „Lehmbär“-Stand im Energergiekompetenzzentrum
Besonders Frauen und Kinder lieben den Lehmbären
Ungewöhnlich: mit Lehm verkleidete Treppe
Kreative Atmosphäre mit Lehm: Musikschule in Bergisch Gladbach