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Lehmbau mit Leib und Seele - Der Bauunternehmer und Architekt Emmanuel Laugs

„Alles was man hier sieht ist das Ergebnis eines Bauprozesses, der sich über insgesamt 450 Jahre erstreckt.“ Emmanuel Laugs weist in einer raumgreifenden Armbewegung in Richtung der mächtigen Eichenbalken des Fachwerk-Ständerwerks, die den außergewöhnlichen Wohnraum dominieren. Einige sind noch original aus dem 16. Jahrhundert. Zunächst war hier ein Bauernhof, im Laufe der Zeit wurden daraus zwei Höfe, die sich mit den Jahren weiter ausdifferenzierten. Nun gab es eine Molkerei, Kuh- und Schweinställe sowie Wohnungen für die Landarbeiter. Der Bereich, den Laugs heute zusammen mit seiner Frau, sie ist Künstlerin, und dem gemeinsamen Sohn bewohnt, war einmal das Backhaus des Gehöfts. Neben dem spürbar wohltuenden charakteristischen Raumklima beeindruckt das Domizil der jungen Familie durch seine einzigartige Atmosphäre. Die archaische Anmutung des Ständerwerks und der grob geschnitzten massiven Eichentüren korrespondiert in verblüffender Selbstverständlichkeit mit den Artefakten digitaler Alltagskultur, etwa dem iMac auf dem Esszimmertisch.

Emmanuel Laugs entstammt einer niederländischen Architekten-Familie. Vater Boudewijn Laugs ist ausgewiesener Denkmal- und Lehmbau-Experte. Von ihm erbte der Sohn die Begeisterung für ökologisches Bauen, Denkmalpflege und die Bauplanung unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit. Bruder Thomas ist Lehmbauer, Emmanuel Laugs bezeichnet sich selber als ‚Baumeister‘. „Das soll zum Ausdruck bringen, dass ich außer dem planerischen Können des Architekten die handwerklich-praktische Erfahrung des Bauunternehmers in meine Arbeit einbringe“.

Die Träume des Bauherrn verwirklichen


Mit seiner Arbeit will er sich bewusst abgrenzen von so manchem Architekten-Kollegen, dem bei der Fertigstellung eines Bauvorhabens das eigene kreative Erfolgserlebnis vermeintlich wichtiger ist als die Bedürfnisse des Bauherrn. „Meine Aufgabe ist es, dem Bauherrn zu helfen seine Träume zu verwirklichen.“ Wichtig sei dabei stets den ganzen Bauprozess im Auge zu behalten. „Spezialisierung ist selbstverständlich nötig, um einen hohen Qualitätsstandard zu gewährleisten. Gerade deshalb lege ich sehr viel Wert darauf, nur mit solchen Handwerkern zu arbeiten, die immer auch die Möglichkeiten und Anforderungen der anderen Gewerke im Blick behalten.“ schildert Emmanuel Laugs seine Auffassung von zeitgemäßem Bauen.

Das Voranbringen des Lehmbaus in den Niederlanden liegt dem umtriebigen 33-jährigen besonders am Herzen. „Im Vergleich mit Deutschland sind wir Niederländer 10 bis 15 Jahre im Rückstand, was den zeitgemäßen Lehmbau angeht. Das hat sicherlich damit zu tun, dass das Bauwesen hierzulande stark auf preiswerte Lösungen und oberflächliche Optik abzielt und weniger auf Substanz und Nachhaltigkeit. Generell hat privates Bauen schlicht nicht die Geschichte wie in Deutschland. Sehr viele Bauprojekte werden von Institutionen und öffentlicher Hand geplant und finanziert.“ Viele Architekten scheuten außerdem die Verarbeitung von Lehmbaustoffen, weil es, anders als in Deutschland, praktisch keine definierten Lehmbau-Normen und -Zertifizierungen gebe. Ohne diese seien statische Berechnungen und Planungen für einen Architekten ohne entsprechende Erfahrung nur schwer durchführbar.

Historisches Flair und augenzwinkernder Stilmix


In den Seitenflügeln der ehemaligen Hofanlage betreibt das Ehepaar Laugs mehrere Ferienwohnungen. Die Verwendung traditioneller Baustoffe, die Kombination von Holz, Lehm und Natursteinböden erzeugt historisches Flair. Die Räume sind urgemütlich. Technisch und ökologisch ist dabei alles auf dem neusten Stand, die modernen Sanitärinstallationen sind an ein zentrales Regenwassernutzungs-System angeschlossen. Ein besonderes ästhetisches Highlight ist ein komplett mit authentischem 50er-Jahre-Interieur ausgestattetes Feriendomizil. Liebevoll auf Flohmärkten zusammengetragene Accessoires wie Nierentisch oder stilistisch passende Lampen und Spiegel kontrastieren augenzwinkernd mit den Lehm verputzten Wänden. Ein ironisch gebrochenes Spiel mit scheinbarer Authentizität: Lehmputz in den Fünfzigern hat es so natürlich nie gegeben.

Hier im belgischen St. Martens-Voeren, einer flämischen Exklave innerhalb des wallonischen Teils Belgiens hat der erfolgreiche Lehmbau-Unternehmer und Architekt eine Insel der Lehmbau-Kompetenz geschaffen, ein beeindruckendes Anschauungsobjekt, das Zeugnis ablegt über die Möglichkeiten, die zeitgemäßer Lehmbau bereithält. Die Verbindung traditioneller Techniken mit nachhaltigen Konzepten und energetisch sinnvollen Maßnahmen weist den Weg in die Zukunft des Bauens, der einen Prozess permanenter Entwicklung darstellt. Der ‚Baumeister‘ findet zusammen mit dem Bauherrn Ideen, Lösungen und Innovationen zur Steigerung des Wohnwertes. Oder wie Emmanuel Laugs es ausdrückt: „Meine Aufgabe als Architekt und Bauunternehmer endet im neuen Haus oder im restaurierten Objekt mit dem gemeinsamen Glas Wein am Küchentisch.“

Bauunternehmer und Architekt: Emmanuel Laugs
Fachwerk-Ständerwerk und Lehmputz
Moderne Sanitärinstallationen
Blick in den Innenhof

 

 

Historisches Ambiente

 

 

Raum-Detail
Lichtstimmung

 

 

Reizvoller Kontrast: Lehmbau trifft Fünfziger Jahre
Reizvoller Kontrast: Lehmbau trifft Fünfziger Jahre