Probleme des modernen Bauens und Lehmputz
„Schimmelpilze sind ein natürlicher Teil unserer belebten Umwelt und ihre Sporen sind daher auch in Innenräumen vorhanden. Die Vermehrung von Schimmelpilzen kann dagegen ein hygienisches Problem darstellen.“ Mit diesen Worten beginnt der „Leitfaden Schimmelpilzwachstum“ der Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes aus November 2002. In den letzten Jahren ist die Gefährdung durch längerfristige Exposition gegenüber Schimmelsporen verstärkt ins Bewusstsein gerückt. Dies liegt zum einen an einem zunehmenden Gesundheitsbewusstsein, zum anderen aber auch an den Veränderungen unserer Bauweisen, die teilweise Schimmelwachstum fördern.
Schimmel entsteht auf allen Flächen, die bei geeigneter Temperatur ausreichend feucht sind und nicht mit fungiziden Eigenschaften (z.B. mit hohem pH-Wert) ausgestattet sind. Die notwendige Feuchte kann durch Oberfl ächenkondensation entstehen. Das moderne Bauen mit dichten Fenstern und geringem Luftwechsel fördert häufi g die Auffeuchtung von Oberflächen.
In diesem Zusammenhang hat Lehmputz beste Eigenschaften. Durch seine Fähigkeit Wasserdampf schnell aufzunehmen reduziert er die Spitzenbelastungen der Raumluftfeuchte. Doch selbst wenn dies nicht ausreichen sollte, wirkt Lehmputz sehr positiv. Wenn ein wenig Wasser an den Oberfl ächen kondensiert, so nimmt der Lehmputz die Feuchtigkeit auf, verteilt sie und verhindert so die Anreicherung an der Oberfl äche. Bei vielen bauüblichen dichten Beschichtungen ist genau dies nicht möglich. Darum genießt Lehm einen hervorragenden Ruf wenn es gilt, Schimmel sicher zu vermeiden.
Doch Lehm und andere natürliche Rohstoffe können noch viel mehr: „Diffusionsfähige, natürliche Baustoffe sind zugleich mehr oder weniger sorptions- und regenerationsfähig. Ein großes Kapillarsystem (die innere Oberfl äche) sorbiert nicht nur Wasserdampf sondern auch andere Gase, Dämpfe und Staub.” Zitat: Kompetenzzentrum Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen (KNR), Handwerkskammer Bildungszentrum, Münster.
Schimmel während der Trocknungszeit
Wenn Baustoffe feucht eingebaut oder nach dem Einbau einem ausreichend feuchten Milieu ausgesetzt werden, so können sich auf den Oberfl ächen der meisten von ihnen Schimmelbeläge ausbilden. Dies gilt für Gipsputze (meist schwierig zu sehen), Bauholz und sogar Beton. Auch auf Gipskartonplatten können sich Schimmelbeläge ausbilden, z. B. nach dem Einbau eines Nassestrichs im gleichen Raum. Unter ungünstigen Umständen kann dies selbstverständlich auch beim Naturprodukt Lehmputz passieren.
Wo kommt der Schimmel her?
Schimmelsporen sind auf jeder Baustelle in der Luft, geeignete Nährstoffe fi nden sich in aufgewirbelten Stäuben. Die Zusammensetzung von Lehmputzen spielt für das Schimmelwachstum eine nur untergeordnete Rolle. Ob der Putz trocken (durch Erhitzung quasi keimfrei) oder erdfeucht (güteüberwacht, jedoch nicht micro-organismenfrei) geliefert wird, ob er Stroh, Hanf oder überhaupt keine Pfl anzenfasern enthält: All dies sind für das Schimmelwachstum auf der Baustelle keine maßgebenden Faktoren. Unter ungünstigen Voraussetzungen kann Schimmel auf fast jedem Material entstehen.
Was ist zu tun, wenn Schimmel erscheint?
In fast allen Fällen ist die Ursache von Schimmelwachstum mangelnde Trocknung. Die Oberfl ächen werden aus Unwissenheit oder Nachlässigkeit zu lange im feuchten Zustand gehalten. Deswegen sollte bei ersten Anzeichen zuallererst die Trocknung forciert werden. Zuallererst heißt nach wenigen Stunden, nicht nach 14 Tagen! Als Sofortmaßnahme zum Stoppen des Schimmelpilzwachstums ist auch eine Desinfektion geeignet, z. B. mit SANOSIL, einem auf baubiologische Unbedenklichkeit geprüften, verdünnten Wasserstoffperoxyd. Sobald der Trockenheitsgrad dies zulässt können die Flächen gereinigt werden, z. B. per Staubsauger mit Filter der Staubklasse H. Die Trocknung muss innerhalb weniger Tage weitgehend abgeschlossen sein. Abschließend sollten die trockenen Oberfl ächen auf noch erkennbare Schimmelstrukturen inspiziert werden. Diese sind im Bedarfsfall zu entfernen. Ein Auftrag von Kalkmilch bringt zusätzliche Sicherheit, insbesondere für die weitere Bauzeit.
Was gibt es an Hilfestellung?
Obwohl Schimmelwachstum nicht das Problem bestimmter Baustoffe, sondern bestimmter Baustellengegebenheiten ist, helfen wir gerne. Unsere Außendienstmitarbeiter, die zum Teil ein zertifi ziertes Know-how für sachgerechte Schimmelsanierung vorweisen können, gehen Ihnen mit Rat und nötigenfalls sogar Tat zur Hand. Wenn es Probleme gibt - rufen Sie unsere Technische Beratung an.
Ist soviel Vorsicht angemessen?
Eine mögliche Gefährdung durch Schimmelsporen kann nur entstehen, wenn Personen den Sporen oder ihren Stoffwechselprodukten ausgesetzt sind. Das früher als ausreichend erachtete Reinigen und das Abdecken der Flächen durch nachfolgende Putz- und Anstrichlagen hat entsprechend in keinem uns bekannten Fall zu einem späteren Problem geführt: Eventuell noch vorhandene restliche Sporen sind nach dieser einfachen Behandlung in Feststoffen gebunden. Bei der Nutzung entstehende Feuchte genügt nicht, um neues Wachstum zu bewirken.
Dennoch sei festgehalten: Beginnendem Schimmelwachstum sollte man nicht gleichgültig oder gar ignorant gegenüberstehen. Und eine zusätzliche Prophylaxe durch Desinfektion, die meist relativ leicht zu realisieren ist, kann nur vorteilhaft sein.
Auch wenn temporäre Schimmelbildung während der Trocknungszeit weder ein Produktqualitätsproblem noch ein spezifi sches Baustoffproblem ist: Im gegebenen Fall helfen wir Ihnen gern.
Ausgabe 6-2008