4.1 Stakendecke

Angespitze Staken werden, von einer Nut gehalten, zwischen Deckenbalken eingeklemmt und bilden das Tragwerk für ein oberseitig eingebrachtes Strohlehm-Paket.
Diese Art der Deckenausfachung ist bei historischen Gebäuden zu finden. Die einfache und sinnvolle Rohbaukonstruktion bedingte die Gestalt und den architektonischen Ausdruck des Bauteils Decke. Je nach Lage der Stakung im Balkenquerschnitt konnten ebene Untersichten oder profilierte Decken erstellt werden. Die Balken blieben holzsichtig oder wurden zusammen mit den Deckenfeldern überputzt.
Die Strohlehmfüllungen dienten in erster Linie der Hohlraumverfüllung, sie wirken auch schallschützend und feuerhemmend. Staken­decken können auch mit rieselfähigen Lehmschüttungen anstelle von plastischem Strohlehm verfüllt werden. Die Ausgestaltung der Decken und Unterzüge ist für Raumwirkungen und -proportionen von großer Bedeutung, die mannigfaltigen und oft regional-typisch geprägten Formen bilden ein wertvolles kulturelles Erbe.

 

 

Deckenaufbau

Abmessungen

CLAYTEC Produkt

1 Rohrgewebe St 70

-

34.001

 

 

 

2 Eichenstaken, gesägt

26 x 60 mm

30.001

 

 

 

3 Strohlehm

D ca. 5–12 cm

04.005

 

 

 

Baustoffe

Baustoffe: Für die Stakung werden Eichenstaken, gesägt (CLAYTEC 30.001) mit einem Querschnitt von 26 x 60 mm verwendet. Pro m Balkenfeld werden ca. 10 bis 12 Staken benötigt. Wegen des Verschnittes sollte mit genügend Reserve kalkuliert werden.
Als verlorene Schalung und unterseitiger Putzträger wird Rohrgewebe St 70 (CLAYTEC 34.001) verwendet.
Verfüllt wird die  Decke mit Strohlehm, der als erdfeuchte Rohmasse (CLAYTEC 04.004, 1600 kg/m3 Festmörtelrohdichte) geliefert wird. Ein Big-Bag Rohmasse ergibt 0,7 m3 fertigen Strohlehm. Bei der Ermittlung der benötigten Menge wird der Holzanteil (Balken) übermessen. Auch hier sollte mit ausreichender Reserve kalkuliert werden. 
Als Schüttungen stehen z.B. Baulehm (CLAYTEC 01.003, 1300 kg/m3), Sand-Lehmschüttung (CLAYTEC 05.020, 1600 kg/m3) oder Bims-Lehmschüttung (CLAYTEC 03.052, 1000 kg/m3) zur Verfügung. Holzleichtlehm ist aufgrund seiner sehr langen Trockenzeiten als Deckenschüttung nicht zu empfehlen. Sollen die Schüttungen verdichtet werden, so ist bei der Mengenermittlung ca. 15-20% aufzuschlagen.
Wickelstaken werden mit Baulehm (CLAYTEC 01.003, gemahlen 01.002 und 10.001) und Stroh hergestellt.
Besonders wenn das Strohlehm-Paket erstmals oder in vergrößerter Stärke im Altbau eingebracht wird, muss mit dem Tragwerks-Ingenieur Rücksprache gehalten werden. Ist die zulässige Auflast und die mögliche Paketstärke vorgegeben, so kann als Variable die akzeptierbare Roh­dichte der Schüttung ermittelt werden. Die Rohdichten hängen stark vom Maß der Verdichtung ab, die Angaben oben beziehen sich auf ca. 15-20%. Ggf. müssen genauere Vorgaben gemacht und an Arbeitsproben überprüft werden.

Erstellung der Stakendecke

Vor Beginn der Ausführung müssen alle Arbeiten am Holzwerk abgeschlossen sein. Als Erstes muss entschieden werden, in welcher Höhe im Querschnitt die Stakung liegen soll, meist wird die Entscheidung aufgrund vorgefundener genuteter Deckenteile gefällt. Die Nuten sollten ca. 1,5 cm breit und 2,0 cm tief sein und einen sich in die Tiefe verjüngenden, konischen Querschnitt haben. Vor dem Einbau können die Balken vom Zimmermann genutet bzw. eingesägt werden. Vor Ort werden die Nuten mit dem Beil, dem Stecheisen oder der Kettensäge hergestellt.
Oftmals können die in alten Balken vorhandenen Nuten genutzt werden, sie müssen ggf. etwas verbreitert oder vertieft werden.
Die Staken bestehen aus gesägtem Eichenholz. Gespaltenes Holz, wie es bei Dach­schindeln, die direkt dem fließenden Wasser ausgesetzt sind, verwendet wird, ist bei der Beanspruchung durch Kontaktfeuchte (Einbaufeuchte des Strohlehms) nicht unbedingt resistenter. Erfahrungsgemäß ist das noch „im Saft“ stehende Eichenholz durch die Einbaufeuchte des Lehms weniger gefährdet als jahrhunderte altes und trockenes Holz. Die Staken sollten nicht länger als max. 0,75 m ausgeführt werden. Sie werden grob von Splintholz und Rindenresten gesäubert und mit dem Beil oder der Säge an den En­den vierseitig zugespitzt. Der lichte Abstand zwischen den Staken beträgt 2,5-4,0 cm. Die Staken werden stramm zwischen die Balken geklemmt, dabei dürfen die Balken jedoch nicht auseinandergetrieben werden. Die sorgfältige Ausführung sichert die Stabilität bei evtl. Querschwindung der Deckenbalken. Die Längsschwindung der Staken kann in diesem Zusammenhang vernachlässigt werden.
Vor dem Einbringen des Strohlehms oder der Schüttung wird die Decke unterseitig mit Schilfrohrgewebe bekleidet. Dabei wird der ca. 1 mm starke Basisdraht des Gewebes mit verzinkten Klammern von mind. 16 mm Länge festgetackert, mit dem Draht wird das Schilfrohr festgepresst. Das Gewebe bildet zwischen den Staken eine „verlorene Schalung“ für den Strohlehm und dient später als Putzträger. Die historische Variante ist das Durchdrücken des Strohlehms durch die Leeräume zwischen den Staken. Die herabhängenden Lehm-Zungen werden umgelegt und auf den Stakhölzern verstrichen.
Der Strohlehm wird in weich-plastischer Konsistenz in die Decke eingebracht und schließt meist bündig mit der Oberkante der Deckenbalken ab. Er muss in alle Hohlräume und zwischen die Staken gelangen und wird wie Estrich mit Kellen oder anderen Werk­zeugen verdichtet und grob abgeglättet.
Eine besondere Variante bildet die Ausfachung mit Wickelstaken (in manchen Regionen auch „Weller“). Dabei werden Stakhölzer auf einem Tisch mit Strängen aus Stroh und Lehm umwickelt und wie zuvor beschrieben in eine Nut geklemmt. Zunächst wird Stroh in eine dicke Schlämme aus Lehm getaucht. Zur besseren Verarbeitung kann das Material dann einige  Stunden oder Tage gelagert („gemaukt“) werden. Dann werden Bündel aus dem lehmumhüllten Stroh um die Stakhölzer (die vorher zugeschnitten und probeweise als „trockene“ Ausstakung in die Decke eingesetzt werden) gewickelt. Die fertigen Wickelstaken, deren Durchmesser sich am Befund orientiert (häufig 10-15 cm), werden nun in der Decke aufeinander geschoben. Alle Unebenheiten werden mit Strohlehm oder mit Lehm-Unterputz (CLAYTEC 05.001, 05.002 oder 10.010) ausgeglichen.

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Weiterbehandlung und Verputz

Bei der Bauzeitplanung muss die Trocknungszeit der Stakendecke mit Strohlehm bedacht werden, als Faustregel können bei einer Füllhöhe von 5-8 cm ca. 4 bis 6 Wochen angesetzt werden. Bei der Trocknung muss durch gute Durchlüftung (Durchzug) dafür gesorgt werden, dass Außenluft an der gesamten Oberfläche des Strohlehms vorbei-streicht. Kann dies nicht sicher, dauerhaft und ohne Unterbrechung gewährleitet werden, so ist maschinell zu trocknen. Die Bautrocknung soll in die Verantwortung des ausführenden Lehmbaubetriebs gegeben werden, ausreichende Erfahrung vorausgesetzt.
Der Lehm muss vor Verunreinigung und vorzeitiger mechanischer Belastung geschützt werden.
Vor der Auflage von Holzfußböden oder sonstigen Beschichtungen muss der Strohlehm bzw. die Lehmschüttung vollständig ausgetrocknet sein. Bestehen nach augenscheinlicher Prüfung Zweifel, so kann die Restfeuchte anhand einer einfachen Darr-Trockenheitsprüfung ermittelt werden. Trockene Lehmbaustoffe haben  einen praktischen Feuchtegehalt von 2-3%.
Für den unterseitigen Verputz der Decke gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Bei vielen historischen Decken sind die Deckenfelder und die Balken verputzt. Bei holzsichtigen Deckenbalken werden nur die Felder verputzt oder im Trockenbau z.B. mit der Lehm­bauplatte (CLAYTEC 09.004) bekleidet. Das Thema Deckenputz wird im Arbeitsblatt 6.1 ausführlich behandelt. Ebenso kann die Decke mit glatter Untersicht im Trockenbau erstellt und verputzt oder auch abgehängt werden. Auch dafür ist die Lehmbauplatte geeignet, deren Ver­arbeitung im Arbeitsblatt 5.2 beschrieben ist.

Bitte beachten

Die Angaben der Arbeitsblätter entsprechen langjährigen Erfahrungen bei der Ausführung von Lehmbauarbeiten und der Anwendung unserer Produkte. Eine Rechtsverbindlichkeit kann daraus nicht abgeleitet werden.

Vorausgesetzt werden ausreichende handwerkliche Erfahrung und die notwendigen Kenntnisse aus den entsprechenden Baugewerken. Es gilt die jeweils neueste, aktuelle Version des Arbeitsblattes, diese ist bei Bedarf zum Beispiel unter www.claytec.de erhältlich.
Copyright CLAYTEC e. K. Peter Breidenbach. Kopie und Veröffentlichung sind, auch auszugsweise, nicht gestattet.

Stoff- und Bauteilwerte

Tabelle 4.1.1: Bauphysikalische Werte der für Stakendecken eingesetzten CLAYTEC Baustoffe

 

 

Artikel-Nr.

Rohdichte i.M. (kg/m3)

λ (W/mk)

µ-Wert

Strohlehm

04.004

1600

0,73

5/10

Eichenstaken, gesägt

30.001

  800

0,2

-

Lehm-Unterputz

diverse

1700

0,82

5/10

Staken, Rohrgewebe, Strohlehm i.M.*

-

1500

0,66

5/10

Wickelstaken *

-

  800

0,25

5/10

 

 

 

 

 

* bei D= ca. 10 cm

λ-Werte und µ-Werte der Lehmbaustoffe aus „Lehmbau Regeln” des Dachverband Lehm e.V. oder Prüfzeugnissen
(bei geforderten Nachweisen mit Werten nach DIN 4108 s. d.)

 

 

Tabelle 4.1.2: Flächengewichte der Füllungen von Stakendecken in kg/m2

 

 

Stakendecke

Wickelstakendecke

zusätzl. Strohlehmpaket 4 cm

110

164

zusätzl. Strohlehmpaket 6 cm

140

200

zusätzl. Strohlehmpaket 8 cm

170

230

zusätzl. Strohlehmpaket 10 cm

200

260

 

 

 

Bedingungen:
Stakendecke: Grundkonstruktion aus Stakung und Schilfrohr D= ca. 3,5 cm
Wickelstakendecke: Grundkonstruktion aus Wickelstaken D= ca. 10 cm    

 

 

Tabelle 4.1.3: Schalldämm-Maß R’w und Trittschallpegel L’n,w von Stakendecken in dB nach Berechnungen des
                       SWA-Instituts, Aachen (extrapoliert aus gemessenen Werten und theoretischen Annahmen)

 

 

Schalldämm-Maß R’w

Trittschallpegel L’n,w

Stakendecke, Strohlehm 8 cm

ca. 45

ca. 72

 

 

 

 

 

Ausgabe 10-2007

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

vierseitig angespitzte Stake

 

 

 

Umkleidung mit Rohrgewebe

 

 

 

Antackern des Rohrgewebes mit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wickelstaken

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